Gewohnheiten sind mit Abstand eines der mächtigsten Konstrukte, welche unseren Alltag massiv beeinflussen. Der Zweck hinter Gewohnheiten ist, dass unser Gehirn Energie sparen kann und wiederkehrende Aufgaben dennoch höchst effektiv löst. Vielleicht erinnerst du dich an das erste Mal Autofahren. Am Anfang war es schwer und anstrengend richtig zu schalten, die Kupplung kommen zu lassen und nebenbei noch den Gegenverkehr zu beachten. Je öfter man dies jedoch übt, desto tiefer verwurzelt sich die Gewohnheit in einem und es wird immer leichter und leichter. Laut einer Studie bestehen mindestens 40 % unseres Alltags aus Gewohnheiten. Das Aufstehen und Fertigmachen im Badezimmer, die Fahrt zur Arbeit, Mittagessen und das zu Bett gehen. Das sind nur die offensichtlichsten Beispiele für unsere täglichen Routinen. 

Gewohnheiten, die schon viele Jahre repitiert werden, haben eine unglaubliche Stabilität inne. So sind Fälle belegt, dass Menschen trotz schwerer Hirnschäden ihre Gewohnheiten weiter ausführen konnten. Ein Mann konnte aufgrund eines schweren Hirnschadens nicht mehr auf die Tür zu seiner Küche zeigen. Auf die Frage, was er macht, wenn er hungrig ist, ging er einfach zum Kühlschrank und nahm sich etwas zum Essen raus. 

Gewohnheiten können mächtige Werkzeuge für uns sein. Gewohnheiten erzeugen in uns Glücksgefühle. Jedes mal, wenn wir eine unseren täglichen Gewohnheiten nachkommen, schüttet unser Gehirn Glückshormone aus. Die Funktionsweise ist ähnlich wie eine Sucht. Übertrieben gesprochen heißt das, wir sind alle Junkies. Nur nimmt nicht jeder von uns Heroin, sondern wäscht sich nach der Toilette die Hände. Wenn wir der jeweiligen Gewohnheit nicht nachkommen, fühlen wir uns oft schlecht oder unausgeglichen, wie ein Alkoholiker, der nichts zum Trinken hat. Gerade darum ist es eines der härtesten Sachen auf der Welt, eine seit Jahren bestehende Gewohnheit zu ändern. Für viele ist es fast unmöglich. Es gibt aber einen sehr effizienten Trick, um dennoch eine Gewohnheit zu ändern. Indem man sie durch eine andere ersetzt. Angenommen jemand will mit dem Rauchen aufhören und jeden Morgen hat er zu seinem Kaffee eine Kippe geraucht, dann wird er beim Kaffeetrinken jedes mal ein sehr starkes Verlangen danach bekommen, weil es so sehr konditioniert wurde. Besser wäre es auch den Kaffee wegzulassen und stattdessen Tee zu trinken. Aus der Gewohnheit beim Käffchen eine zu quarzen, wird das Schlürfen eines leckeren Kamillentees.

Gewohnheiten können uns helfen ein angenehmeres Leben zu führen und uns bei unseren Träumen und Zielen unterstützen. Gleichzeitig können sie aber auch zu unserem Sargnagel werden. Der hohe Nutzen oder Schaden einer Gewohnheit liegt in der tagtäglichen Anwendung und Wiederholung über viele Jahre und Jahrzehnte. Als Beispiel: Eine Zigarette zu rauchen ist nicht schlimm. Jeden Tag für die nächsten 30 Jahre eine zu rauchen, wird aber negative Auswirkungen haben. Bei Gewohnheiten muss man einen sehr langen Blick haben, mit der Frage wird diese Gewohnheit auf die nächsten 10, 20 und 30 Jahren einen positiven oder einen negativen Einfluss haben. Der kumulierte Schaden von schlechten Gesundheitsgewohnheiten ist auf diesen Zeitraum gigantisch. Aber genauso gigantisch können die positiven Erfolge sein. Jeden Tag einen Apfel essen und seinen Körper damit Vitamine, etwas Gesundes zu zuführen. Jeden Tag dazu beitragen, das Immunsystem stark zu halten auf 30 Jahre. Oder jeden Tag eine kleine Runde um den Block spazieren, damit man wenigstens etwas Bewegung hat. Der kumulative Schaden auf 20 Jahre hochgerechnet, wenn man dies nicht macht, kann astronomisch sein. Darum empfehlen Ärzte ihren Patienten oft sich einen Hund anzuschaffen, weil sie dann gezwungen sind, sich jeden Tag zu bewegen. Kleine aber nützlichen Gewohnheiten können in nahezu jedem Lebensbereich auf lange Sicht dramatische Auswirkungen haben. Freundschaften und Familie: Eine Gewohnheit wäre jeden Tag eine Person aus der Kontaktliste eine Nachricht zu schreiben, was es Neues gibt, um mit den Freunden in Kontakt zu bleiben und die Beziehungen nicht zu vernachlässigen. Das würde nicht mal eine Minute deiner Zeit kosten. Je älter die Menschen werden, desto weniger Freunde haben sie, weil sie genau so etwas nicht machen. Oder in finanziellen Angelegenheiten: Jeden Monat einen kleinen Betrag am Anfang des Monats auf die Seite legen. Auf 30 Jahre wäre das auch bei kleinen Beträgen eine ansehnliche Summe. Beruflich: Jeden Tag einen kleinen Artikel aus einer Fachzeitschrift lesen. 

Das sind alles kleine und harmlose Gewohnheiten, die aber auf lange Sicht ein extremes Potenzial entfalten können. Eines meiner Lieblingszitate geht so: „Wir überschätzen, was wir in einem Jahr erreichen können und unterschätzen, was wir in zehn Jahren erreichen können.“ Obwohl das alles ganz harmlose Angewohnheiten wären, machen es die meisten Menschen nicht. Wieso essen die meisten Menschen keinen Apfel (oder ein anderes Obst) am Tag, wenn es so einfach ist es zu tun? Die Antwort ist, weil es so einfach ist, es nicht zu tun. Die Schritte, die wir heute gehen, werden entscheidend sein, wo wir in zehn Jahren stehen. Und jeden Tag eine geringe Abweichung in unserem Verhalten, verändert die Richtung ein kleines bisschen in einen anderen Weg, den wir eigentlich gehen wollten, um dorthin zugelangen, wo wir hinwollen. Und nach zehn Jahren sind meilenweit davon entfernt. 

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