Seit längerer Zeit gibt es den Trend um 4:30 morgens aufzustehen. Dadurch soll man produktiver sein, da die meisten anderen Menschen noch schlafen, so dass man von niemandem gestört wird. Ein anderer Vorteil ist es, dass du mal wirklich Zeit nur für dich hast! Um 16:30 muss man oft was für den Chef, die Familie oder Freunde machen. Jedoch steht gut wie keiner um diese Uhrzeit auf. Hier hast du wirklich mal Zeit nur für dich alleine und keiner wird dich stören. Es gibt keine Ablenkung über WhatsApp oder sonst was. Ein anderer Vorteil ist Selbstdisziplin. Es macht keinen Spass so früh aufzustehen. Man muss sich aus dem Bett quälen. Und genau das trainiert massiv die eigenen Willenskraft und Selbstdisziplin. Mentaler Effekt: Man ist schon wach und hat super viel geschafft, während alle noch schlafen. Das kann ungemein motivieren. Ich möchte das jetzt für mich selber testen, ob es wirklich so viele positive Auswirkungen hat, wie hart es sein wird und wie lange es braucht bis sich der Körper an den neuen Rhythmus gewöhnt.

Es gibt ein ganz bekanntes Motivationsvideo von Arnold Schwarzenegger 6 Rules of success. Er sagt, dass jeder nur sechs Stunden am Tag schlafen soll. Wer mehr schläft solle schneller schlafen. Dem widersprach ich. Im Schlaf geschehen wichtige Prozesse, nicht nur für unser Gehirn, sondern auch für unseren Körper z.B. die Entgiftung unserer Organe. Das wichtigste für mich ist, dass ich trotz der Challenge weiter so viel schlafen will wie normal. Wie ich schon in dem Blogartikel Pareto Prinzip und smart statt hart erwähnt haben, ist Quantität nicht gleich Qualität. Was bringt es einem, wenn man zwei Stunden länger arbeitet aber dafür eine schlechtere Arbeit abgibt, als wenn man eine Stunde länger geschlafen hätte? 

Damit ich auch wirklich aufstehe, lege ich mein Handy mit der Weckerfunktion ans andere Ende des Zimmers. So bin ich gezwungen aufzustehen, auch wenn ich nicht will. 

Tag 1

 Das große Problem war das einschlafen bzw. das Einschlafen wollen. Ich musste leider am Samstag arbeiten. Nach Einkaufen, anderen Erledigungen und Kochen war der Tag schon so gut wie vorbei. Damit ich auf meine sieben Stunden Schlaf komme, musste ich jedoch um 21:30 ins Bett. Das war aber das letzte was ich wollte. Zum einen fühlte ich mich überhaupt nicht müde und zum anderen war ich auch angepisst, dass ich für heute nochmal weniger freie Zeit zur freien Verfügung hatte, wo ich einfach entspannt eine Serie auf Netflix schauen oder etwas lesen konnte. Ich bin dann doch länger wach geblieben (schätze so 23:00 bis 23:30).

Als der Wecker zum ersten mal klingelte war es wie ein Schlag mit einem Baseballschläger ins Gesicht und ich hatte super schlechte Laune so meinen Sonntag zu beginnen. Jedoch hatte ich an den Tag sogar echt viel zu erledigen und musste auch noch einiges für die Arbeit vorbereiten. Der erste Vorteil war schon mal sofort spürbar: Es war endlich eine Waschmaschine frei (zwei Waschmaschinen für 50 Leute). Ich räumte meine Wohnung auf, wusch noch eine zweite Ladung Wäsche und frühstückte. Ich hatte auch endlich die Zeit mir einen Lernplan zu erstellen. Das wollte ich schon seit Monaten machen, als ich mit dem Referendariat angefangen hatte, aber es ist immer unter gegangen, weil ich mich jedesmal entschieden hatte zu lernen, anstatt jetzt einen Plan deswegen aufzustellen. Was mir vor allem aufgefallen ist, ist die Ruhe die mit allem einhergeht. Während man die ganzen Aufgaben erledigt, war ich komplett ruhig schon fast in einem meditativen Zustand. Ich weiß nicht, ob es an der Müdigkeit lag oder daran, dass ich komplett ohne Zeitdruck war. Selbst wenn ich mich beeilt hätte, wüsste ich nicht, was ich mit der übrigen Zeit anstellen sollte, da die Bibliothek sonntags erst und neun Uhr aufmacht. 

Wenn ich abends nach hause gekommen bin, war ich für das putzen immer unmotiviert und wollte noch etwas von dem Tag haben, wo ich entspannen kann. Das stellt sich aber gar nicht, wenn man das alles schon um 4:30 abhakt. Man denkt sich, ich habe mich jetzt nicht extra um diese kack Zeit aus dem Bett gequält, damit ich nun bei Netflix eine Folge Family Guy anschauen kann. Während des Tages war ich zwar etwas müder, aber das liegt wohl daran, dass ich nur fünf Stunden geschlafen hatte.

Tag 2

Das Aufstehen war erstaunlich einfach heute. Bevor ich heute zur Arbeit muss, habe ich 1,5 Stunden Zeit zur absolut freien Verfügung. Allerdings hatte ich gestern massive Probleme einzuschlafen. Mein Körper ist total daran gewöhnt um 21:30 hellwach zu sein. Ich lag ca. drei Stunden lang wach im Bett, bevor ich endlich einschlafen konnte. Überall wo ich darüber gelesen habe, stand, dass der Körper eine gewisse Umgewöhnungszeit braucht, bevor er auch wirklich zu dieser Zeit einschlafen kann. Ich denke nach den 3 Wochen habe ich diese Umgewöhnung erreicht. Allerdings werden wohl die nächsten Tage und Wochen dementsprechend anstrengend durchzuhalten…

Fazit

So viel zu den ersten zwei Tagen des Experiments. Ich werde es weiter durchziehen und euch berichten, welche Auswirkungen es hat und am Ende der drei Wochen, ob es sich gelohnt hat und ich es weiter empfehlen würde.