Rhetorik Teil IV

Auf was man bei einer Rede achten sollte habe ich schon in Teil I, Teil II und Teil III erklärt. Es gibt aber noch viel mehr, worauf es ankommt. Große Probleme sind für viele Leute, dass sie nicht wissen, was sie mit ihren Händen machen sollen, wie sie gestikulieren können und die Lautstärke, was aber alles zur absoluten Grundlage gehört.

Lautstärke

Eine Komponente, worüber sich die wenigsten Leute (vor einer Rede) Gedanken machen, ist die Lautstärke.

Das interessante an der Lautstärke ist, dass wir als Zuhörer zu leises Sprechen automatisch ausgleichen. Angenommen ihr seid in der letzten Reihe und der Redner ist leise. Dann gleicht unser Gehirn dies aus und wir verstehen es trotzdem. Wichtig dafür ist, dass der Redner deutlich spricht. Der große Nachteil ist aber, dass es für unser Gehirn extrem anstrengend wird, dies auf längere Zeit auszugleichen. Wenn jemand leise redet, wird es um den Faktor vier bis zehn anstrengender ihm zu folgen. Wenn ihr nun einen Vortrag halten müsst, und ihr habt ein interessantes Thema, aber ihr sprecht zu leise, dann werden eure Zuhörer schnell müde und denken sich: „Scheiße, wieso habe ich mir in der Pause nicht den großen Kaffee geholt?“

Wie findet man nun die ideale Lautstärke? Der Fehler ist, dass die meisten sich an den ersten zwei Reihen von der Lautstärke orientieren, so dass diese einen sehr gut verstehen. Die nächsten paar Reihen verstehen einen gerade noch so und die letzte Reihe fast gar nicht. Das Beste was man machen kann, ist die Lautstärke auf das letzte Drittel anzupassen und zu denen zu sprechen.

Angenommen wir halten einen Vortrag mit vier Reihen, dann reden wir (nur von der Lautstärke)zur drittem Reihe. Für die erste Reihe sind wir etwas zu laut, für die zweite Reihe ist es akzeptabel, für die dritte Reihe hört es sich sehr gut an und die letzte Reihe, versteht uns auch noch ausreichend. Dadurch ist gewährleistet, dass uns alle Zuhörer auch wirklich verständlich hören, ohne dass es zu anstrengend wird.

Wohin mit den Händen?

Die Gestik, was wir mit den Händen während der Rede machen sollen, ist uns oft unklar. Es ist aber eines der wichtigsten Sachen bezüglich der Rhetorik. Unsere Hände greifen am liebsten etwas, vor allem wenn wir nervös sind, weil wir eine Rede halten müssen. So umfasst zum Beispiel die eine Hand das Handgelenkt oder den Ellenbogen der anderen. Nun ist es so, dass unsere Körperhaltung sich direkt auf unseren Geist aus wirkt. Ein Beispiel: Wenn wir einen blöden Gesichtsausdruck machen, zum Beispiel mit offenen Mund dastehen, sind wir viel schlechter im Kopfrechnen.

Wenn wir nun mit den Händen uns selber greifen, dann blockieren wir uns von der Körpersprache und somit unsere Gedanken. Es fällt uns schwerer frei und vor allem flüssig zu sprechen oder auf spontane Erwiderungen Antwort zu geben. Ein weiterer Nachteil von unterdrückter Gestik ist, dass die Redner bei blockierten Händen bis zu 30 % von ihrem Wortschatz eingeschränkt sind, da bestimmte Gehirnareale nicht aktiviert bzw. blockiert sind. 

Die ideale Grundhaltung für unsere Arme: Die Schultern sind locker und liegen am Körper an. Die Arme sind ca. 90 Grad angewinkelt zum Körper und unsere Hände sind dabei leicht angespannt. Die Hände sollten weder komplett locker sein, weil dies schwach und lustlos wirkt, aber auch nicht zu angespannt, da es sonst verkrampft und nervös wirkt. Aus dieser „Ausgangsposition“ kann man dann perfekt gestikulieren. 

Man muss hierzu wissen, dass der Zuhörer bei einem Vortrag kaum das wahrnimmt, was unterhalb des Bauchnabels passiert. Wenn die Hände darunter gestikulieren wird es nicht wirklich wahrgenommen. 

Blickkontakt

Ich habe schon hier eine Technik erwähnt, wenn man nicht weiß wo man, während einer Rede hinschauen soll. Ich habe auf einem Seminar eine neue Technik gelernt, die ich persönlich besser finde, da die Rede für mich damit lebendiger wirkt. Sie ist jedoch auch einen Ticken schwieriger.

Man sucht sich insgesamt 5 Punkte /Zuschauer im Raum aus. Einen ganz links und einen ganz rechts und drei Personen in der Mitte. Zwischen diesen 5 Menschen wechselt man hin und her. Man muss jedoch aufpassen, wie lange der Blick bei dem jeweiligen Menschen ruht. Wenn man zu lange eine Person anstarrt, wird es ihr unangenehm und sie fühlt sich belästigt. Schlimmer sogar, sie fühlt sich herausgefordert und angegriffen. Im Tierreich ist es, dass langer Augenkontakt einem Angriff vorausgeht.

Wenn wir auf der anderen Seite die Zuhörer zu kurz in die Augen schauen und ständig von einer Person zur anderen schnell wechseln, wirken wir nervös und schwach. Die ideale Zeitdauer sind drei Sekunden. Daran sollte man sich aber auch genau halten, schon ab der vierten Sekunde wird es unangenehm.

Das war der heutige Beitrag zur Rhetorik. Nächste Woche folgt die Fortsetzung über weitere interessante Tricks und Kniffe, wie man es zum Beispiel schafft, (fast) keine „Ähms“ mehr in den Reden zu verwenden, Blackouts vermeidet und was unterschiedliche Redegeschwindigkeiten über den Vortragenden aussagen. Bis nächste Woche :).

Ein Kommentar

  1. Auf deinen nächsten Artikel, der, wie du schreibst, insbesondere auch auf Füllwörter, z.B. „äh“, bzw. „ähm“ eingehen wird, gespannt.
    Ich habe nämlich festgestellt, dass seit einiger Zeit in Vorträgen, bzw. Ansprachen überaus häufig die Füllwörter „Genau“ und „tatsächlich“ verwendet werden, teilweise in jedem zweiten Satz.
    Mich persönlich nervt das ungemein, so dass ich manchen Vorträgen kaum folgen kann.
    LG von Rosie

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