Rhetorik Teil V

Satzzeichen sprechen/ Nie wieder „Ähm“ sagen

Jeder kennt es: Man hält einen Vortrag und es schleichen sich lauter „Ähms“ ein, was einen extrem schlechten und unsicheren Eindruck hinterlässt. Ein „Ähm“ entsteht in einer Pause, wenn wir nicht wissen, was wir sagen sollen. Das „Ähm“ drückt nämlich aus, dass der Satz noch nicht zu Ende ist, sondern weiter geht. 

Zunächst einmal es ist überhaupt nicht schlimm, nicht zu wissen, was man sagen soll. Eine Rede soll frei und natürlich klingen. Bei einem normalen Gespräch mit euren Freunden, wisst ihr auch nicht, was ihr in 20 Sekunden sagen werdet und manchmal entsteht auch eine natürliche Gesprächspause.

Ein Pause, wenn man mal nicht weiß was man sagen soll, muss nicht schlecht sein, sie kann sogar neue Spannung erzeugen. Aber auch das Gegenteil kann eintreten, dass wir amateurhaft rüber kommen.

Das große Problem ist folgendes: Wenn wir reden, dann betonen wir auch die Satzzeichen, also Punkt und Komma. Bei einem Punkt, das Satzende, geht die Stimme runter. Bei einem Komma (z.B. bei einer Aufzählung) geht die Stimme nicht runter (bei vielen geht sie hoch). Wenn wir nun aufgeregt sind und einen Satz sagen wie „Wenn es regnet, kann man draußen viele Sachen machen“ und dann enden wir mit hoher Stimme, also einen Komma und uns fällt gerade kein Beispiel dafür ein, was wir aufzählen sollen, kommt sehr wahrscheinlich ein „Ähm“ aus unseren Mund, weil unser Gehirn eine Pause braucht, um sich Beispiele zu überlegen.

Wir haben aber das Ende des Satzes so ausgesprochen (mit hoher Betonung), dass es von unserem Sprachgefühl keine Pause enstehen darf. Würde man stattdessen sagen „Wenn es Regent kann man viele Sachen machen (Punkt!).“ Dann kann man eine längere Pause machen, ohne dass es wirklich unangenehm wird fortfahren: „Man kann zum Beispiel ein Buch lesen.“ Betont man das Ende eines Satzes, als würden noch was kommen, wird es so ablaufen: „Wenn es regnet, kann man viele Sachen machen, ähm ähm wie ähm ein Buch lesen.“ 

Von unserem Sprachgefühl wissen wir, dass hier eine kurze Pause komisch kommt. Betont man die Satzzeichen richtig, so wird man kaum noch in die Verlegenheit eines „Ähms“ kommen.

Sowas ist natürlich leichter gesagt als getan. Um das wirklich umzusetzen, muss man einige Zeit bewusst auf seine Sprache achten und eventuell vor dem Spiegel etwas üben. Aber man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran.

Wie schnell soll ich reden?

Die Sprachgeschwindigkeit kann extrem viel ausmachen. Sogar so viel, ob ein Lehrer seine Klasse unter Kontrolle hat oder nicht. Die erste Form ist die normale Redegeschwindigkeit. Sie ist so, wie wir mit unseren Freunden in normalen Gesprächen reden. Die zweite Stufe ist schnelles Sprechen. Obwohl viele meinen, schnelles Sprechen ist kontraproduktiv, da es zu Lasten der Deutlichkeit und Verständlichkeit geht, ist das falsch. Schnelles Sprechen erhöht die Konzentration der Zuhörer. In den Redepausen (welche bei langsamen Sprechen oft vorkommen), entstehen Gespräche zwischen den Zuhörern, kurze Ausrufe, ein Witz oder ein sonstiger (lustiger) Spruch wird gerissen.

Die Sache ist, diese kurzen Unterbrechungen zerstören den Flow des Redners und die Konzentration der Zuhörer. Durch schnelles Reden wird das verhindert und der Zuhörer bleibt konstant im Flow des Zuhörens. Die Rede wird dadurch auch lebendiger, spannender, es entsteht eine ganz andere Intensität zwischen Redner und Zuhörer. 

Aber auch das normale (langsame) Sprechen hat seine Vorteile. Wenn es mehr in Richtung Diskussion oder Meinungsaustausch geht oder bewusste Reaktionen von den Zuschauern gewollt sind, würde schnelles Sprechen überhaupt nicht passen. Bei solchen Sachen sollte man ganz normal reden.

Vor allem wenn man mal professionelle Rednern zuhört, wie zum Beispiel Erwin Pelzig auf seiner Tour, stellt man fest wie schnell er die ganze Zeit spricht. Schneller als man es aus dem Fernsehen kennt. Es geht aber nicht zu Lasten der Verständlichkeit oder des Witzes. Im Fernsehen ist er mehr der Moderator und spricht von daher langsamer. Auf der Bühne wo er sein Programm vorspielt, spricht er gut 20-30 % schneller.

Das war es soweit von mir. Ich hoffe ihr habt durch den Artikel ein paar neue Einblicke erhalten, vielleicht konntet ihr sogar was nützliches für euch mitnehmen. Macht es gut und wir lesen uns wieder nächsten Montag um 9:00 Uhr ;). 

Ein Kommentar

  1. Dieser Hinweis dazu, wie man durch Intonation die Wirkung der Pausen steuern kann, ist sehr interessant! Das werde ich mir merken.
    Was die Geschwindigkeit angeht: Ich kenne einen Professor, der gerade durch seine etwas langsamere Sprechweise verhindert, dass man abdriften kann – ich glaube, es hat etwas mit der Intensität in der Stimme zu tun.

    Dann noch eine Kleinigkeit: In der Wiederholung des „wenn es regnet“ – Satzes hat wohl ein Korrekturprogramm einen ziemlich königlichen Unfug produziert 😉

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