Wieso wir prokrastinieren

Ich habe schon in diesem Artikel geschrieben, was man gegen das Prokrastinieren unternehmen kann. Heute möchte ich aber mehr auf die Gründe eingehen, wieso wir überhaupt prokrastinieren.

Wieso prokrastinieren wir?

Wieso prokrastinieren wir bei Sachen, die uns wichtig sind und die wir wirklich erreichen wollen? Angenommen unser Ziel ist es ein Buch zu schreiben. Wieso hadert man so oft damit endlich anzufangen oder weiter zumachen? Ein anderes Beispiel wäre der Sport. Wir wollen mehr Sport treiben, aber dann schieben wir es dennoch auf, in das Fitnessstudio zu gehen und lassen es schlussendlich ganz sein.

Der Autor Steven Pressfield hat in seinen Buch war of art (kein Ref-Link) dieses Phänomen erklärt: Er behauptet, dass es bei all unserem Tun eine psychologische Kraft gibt, die jeden Tag bei jeder Aktivität gegen uns arbeitet. Dieser „Widerstand“ hindert uns an unserer Weiterentwicklung. 

Wir sind nämlich nicht darauf programmiert glücklich zu sein oder unser Potenzial zu entfalten. Für uns Menschen sind nur zwei Sachen wirklich wichtig:

1.) Überleben
2.) Fortpflanzen

Was sonst noch ist, interessiert uns tief drinnen nicht. Wir können auch unglücklich Kinder in die Welt setzen und 100 werden. Wenn wir nun etwas Neues machen, zum Beispiel endlich das angefangene Buch zu Ende schreiben, dann hat das Auswirkungen auf unser Leben. Wieso sollte unser Unterbewusstsein eine Veränderung zulassen? Im jetzigen Zustand weiß es, dass wir sicher überleben, wenn wir auf dem Sofa liegen bleiben. Was passiert wenn wir das Buch zu Ende geschrieben haben? Wird es ein Bestseller? Was passiert danach? Die Sache ist, dass nun eine Ungewissheit vorherrscht, was die Zukunft betrifft. Wieso sollten wir diese Unsicherheit eingehen, wenn wir sicher wissen, dass wir überleben werden, wenn wir nichts ändern? Tief drinnen geht es uns nur darum zu überleben. Jede Veränderung birgt auch eine Gefahr.

Wie fühlt sich dieser Widerstand an?

Der Widerstand erzeugt als erstes eine Spannung in uns. Wir fangen an uns physisch unwohl zu fühlen. Es erscheint nicht so spassig ins Fitnessstudio zu gehen, wie weiter auf dem Sofa liegen zu bleiben. Sobald wir aber im Fitnessstudio sind und die erste Übung machen ist es gar nicht so schlimm wie ursprünglich gedacht. Daran erkennt man, dass unser Verstand massiv übertreibt, wie langweilig und nervig es wäre vom Sofa aufzustehen. Parallel zu dem wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. 

Im nächsten Schritt fallen uns lauter Gründe ein, wieso wir noch Zeit haben und das ein andermal erledigen können. Wir reden uns ein, dass es doch nicht so wichtig ist, oder das wir es gar nicht wirklich wollen.

Der Vorteil der Prokrastination

Wie schon geschrieben, hindert das Prokrastinieren die Weiterentwicklung und steht unseren Zielen entgegen. Aber das hat einen nicht zu unterschätzenden Vorteil:

Je wichtiger eine Sache/Vorhaben für uns ist, desto größer und mächtiger ist der Widerstand, den wir dabei fühlen. Wieso sind die Sachen, die uns am wichtigsten sind mit dem stärksten Widerstand verbunden? Weil es tendenziell so ist, dass diese Sachen den größten Einfluss auf unser Leben hätten und die größten Veränderungen damit einhergehen würden. Wie schon oben beschrieben: Wir sind darauf programmiert zu überleben. Jede Veränderung und Unsicherheit für die Zukunft birgt Gefahren und Risiken. Je größer die Veränderungen, desto größer sind die „Gefahren“.

Der Vorteil an der ganzen Sache ist, dass dieser Widerstand ein extrem guter Kompass ist. Je größer der Widerstand ist, desto wichtiger ist es unterbewusst für uns. Wir wissen dadurch automatisch was wir in Angriff nehmen müssen und was uns am meisten bringen wird. Wir verschwenden oft zu viel Zeit für Kleinigkeiten, die (noch) überhaupt nicht wichtig sind:
Anstatt Wochen lang über den Titel für das eigene Buch nachzudenken und massig Zeit zu verschwenden, fängt man stattdessen an jeden Tag 30 Minuten zu schreiben.

Das war es diese Woche wieder von mir. Ich hoffe der Artikel hat einen verständlichen Einblick in unser Unterbewusstsein gegeben und euch gefallen ;).

5 Kommentare

  1. „Je größer der Widerstand ist, desto wichtiger ist es unterbewusst für uns. “ – Die Schlussfolgerung ist vielleicht etwas gewagt. Wenn ein innerer Widerstand da ist und er sehr gross ist, ist das vielleicht auch richtig und das was wir vorhaben falsch. Oft wird ja auch gesagt, man soll auf seinen Bauch hören. Aber sonst – schöner Artikel. Ich lese hier sehr gern mit.

  2. Danke erstmal für das Kompliment :).

    Ja stimmt da hast du Recht.
    Man darf seinen Kopf dabei nicht vergessen und muss ein bischen mitdenken. Ist dieser „Widerstand“ begründet im Sinne, dass mir wirklich ernste Gefahren drohen oder nicht?

  3. sehr interessant, mal sehen, ob es auch hilft, dass ich jetzt vom Computer austehe und das tue, was ich mir vorgenommen hatte: in die Stadt fahren und eine neue Staffelei kaufen…Ich fürchte, ich schaffe es wieder nicht… 🙂

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