Versagensängste

Die Angst vor dem Versagen ist ein rein psychisches Problem. Um das in den Griff zu kriegen, müssen wir unser Mindset bezüglich Fehler und dem Versagen komplett ändern. Meiner Meinung nach sind die folgenden Aspekte die Schlüsselpunkte, um seine Angst in den Griff zu bekommen

Fehler sind etwas Positives

Fehler werden leider als etwas Negatives angesehen. In der Schule ist es besser zu bestehen als zu versagen. Daraus ziehen wir eine Analogie auf das ganze restliche Leben. Jedes Versagen ist negativ und nur Erfolg ist positiv. Jedoch steckt hinter großem Erfolg oft viel Versagen. Jeder Fehler, den man gemacht hat, bringt einem seinem Ziel näher. Das Leben ist selten wie ein Test in der Schule. Wenn man große Ziele hat, z.B. ein eigenes Unternehmen zu gründen oder sportlich herausragende Leistung zu vollbringen, wird man oft scheitern. Einstein hat über sieben Jahre geforscht und sich durchgehend geirrt bevor er die Relativitätstheorie entdeckte. Es ist oft eine Sache des Durchhaltens, Aufstehens und Weitermachens. Du kannst nicht lernen wieder aufzustehen, wenn du nie gefallen bist.

Unser ursprünglicher Lernprozess basiert auf dem Motto try and error. Als Kind lernen wir das laufen, indem wir oft hinfallen und wieder aufstehen. Es konnte auch keiner auf Anhieb Fahrrad fahren. Wir haben lauter Misserfolge erlebt, bis es endlich geklappt hat. Aus unseren Fehlern können wir am meisten lernen, was man beim nächsten mal besser machen können. Versagen ist ein Teil des Erfolges und absolut notwendig.

Mindset zum Versagen

Was genau ist überhaupt Versagen? Wir definieren Versagen als etwas, wenn wir unser Vorhaben nicht erreichen. Ein Beispiel: Wir versuchen 100 Kilo im Fitnessstudio zu stemmen. Wenn wir es nicht schaffen, kommt der Gedanke Ich habe versagt. Wirklich versagt hat man jedoch erst, wenn man es nicht noch einmal probieren kann. Wenn man die 100 Kilo nicht geschafft hat, dann kann man weiter trainieren und es noch einmal versuchen. Aber „wirkliches“ Versagen, ist erst dann vorhanden, wenn man aufgibt.

Wenn wir jedoch weitermachen, dann macht es unsere Geschichte noch epischer. Wir waren kurz vor dem Aufgeben und haben so oft versagt und dann haben wir es doch noch geschafft. „Kurzfristiges Versagen“ ist nichts schlimmes. Wirklich versagt, hat man nur, wenn man aufgibt.

Es hilft extrem, wenn wir unseren Weg als einen Prozess betrachten. Anstatt sich zwanghaft auf das Ziel zu konzentrieren 100 Kilo zu stemmen, achtet man auf die persönlichen Steigerungen von Woche zu Woche.

Es heißt nicht umsonst der Weg ist das Ziel. Wir müssen lernen diesen Fortschritt, wie wir stärker und besser werden, zu genießen. Dadurch verinnerlichen wir, dass kurzfristiges Versagen nur ein Zwischenschritt für unseren Erfolg ist.

Selbstwert unabhängig vom Erfolg machen

Dieser Punkt ist der schwerste von allen. Er ist der Hauptgrund, wieso wir so viel Angst vor dem Scheitern haben. Wir machen unseren Selbstwert und unsere Selbstliebe davon abhängig, was wir im Leben erreicht haben. Können wir uns ein teures Auto leisten? Habe ich den Test geschafft? Habe ich diesen Job? Bin ich den Marathon gelaufen? Wir neigen stark dazu unseren Selbstwert durch unsere Erfolge zu definieren. Es ist nichts falsches daran stolz zu sein, wenn man eine außerordentliche Leistung vollbracht hat. Aber im Idealfall sollte man sich selber noch genauso lieben und wertschätzen, wenn man die eigenen Errungenschaften nicht vollbracht hätte.

Wir haben große Angst zu versagen, weil wir dann nicht mehr perfekt sind und das Gefühl haben weniger Wert zu sein. Wir müssen unseren Selbstwert von unseren Errungenschaften trennen.

Viele nützliche Tipps für eine unabhängige Selbstliebe habe ich schon in diesem Artikel genannt.

Eine weitere Möglichkeit das besser zu trennen, kann eine neue Attitüde sein: Betrachte das Leben als ein Computerspiel. Ich spiele das Spiel, um Spass zu haben. Wenn ich aber in einem Computerspiel mit meinem Avatar ein Level-up erreiche oder neue Fähigkeiten erwerbe, dann denke ich mir nicht automatisch: Mein Avatar ist ein Level up, jetzt bin ich als Zocker auch ein Level up. Das Spiel macht mir genauso viel Spass wie davor. Öfters mal die Perspektive einer Dritten Person einzunehmen, kann wahre Wunder bewirken. Hierfür empfehle ich auch zu meditieren z.B. in Form der Spiegelmeditation.

Das war es soweit mit den Versagensängsten. Habt ihr selber damit Erfahrungen gemacht oder könnt andere nützliche Tipps dazu geben? Dann lasst gerne ein Kommentar da. Ansonsten lesen wir uns wieder nächsten Montag ;).  

6 Kommentare

  1. Ich erkläre auch meinen Schülern von Anfang an, wie wichtig Fehler sind, um besser zu werden, das richtige Training zu finden und auch als Test für mich, was ich besser, intensiver oder anders bearbeiten muss. Die Folge der absoluten Fehlervermeidung führt ja auch oft in die Trickserei. Das wiederum verhindert die Möglichkeit, sich zu verbessern. Gehe ich davon aus, dass alle alles verstanden haben, gehe ich zum nächsten Thema. Eine negative Einstellung zu eigenen Fehlern bewirkt auch eine negative Einstellung zu Erklärungen. Auch das verhindert Weiterentwicklung. Sie tötet auch die Neugier sowie die Lust am Ausprobieren mit dramatischen persönlichen Folgen und auch für die Gesamtgesellschaft, in der schon jetzt die Masse lieber gar nichts macht/sagt, als etwas Falsches.
    Für mich ein ganz wichtiges Thema.

  2. Eine kurze Anmerkung:

    Die Grundlage jeder Form von Angst lässt sich gut definieren: Wir entwickeln dann Ängste, wenn wir uns in einer Lebenssituation befinden, die wir als unangenehm oder als bedrohlich erleben. Naturgemäß haben wir den Wunsch aus solchen Situation zu fliehen. Nicht immer kann man fliehen oder nicht immer will man fliehen. Der erste Schritt zur Hilfe bei Versagensängsten wäre es also die zugrundeliegende „unangenehme“ Situation zu erkennen, danach kann man gezielt daran gehen sie zu „bearbeiten“.

    Beste Grüße, R.

  3. Ich habe meinem Patenkind zum Schulanfang ein Bild geschenkt. Darauf standen 3 Wörter. Das erste Wort war in Krakelschrift geschrieben, das zweite in Kinderschrift, das dritte in flüssiger Schrift. Die 3 Wörter lauteten: üben, üben, üben.
    LG Reni

  4. Aber was ist mit Fähigkeiten, die man lange geübt hat und es trotzdem nicht zu einer nennenswertem Erfolg kommt? Das Musikinstrument, das man nie gut beherrscht, oder man wird nie ein guter Tänzer, oder man erreicht bei der Arbeit nie den Aufstieg, obwohl man sich all das jeweils sehr wünscht?
    Das ist dann schon Versagen, und zwar aus einem einzigen Grund: Man hat sich das Falsche vorgenommen. Diese Erkenntnis fällt aber vielen schwer, vor allem wenn die vermeintlichen Ziele von außen herangetragen wurden/werden.

  5. @Anhora Aber gerade hier finde ich, dass meinen Selbstwert unabhängig vom Erreichen seiner Ziele definieren sollte. Wir haben alle unsere Grenzen und nicht jeder kann z.b. Profisänger werden. Aber deswegen, sollte man sich keinesfalls minderwertig fühlen. Und ich bin auch der ganz ehrlichen Meinung lieber probieren und scheitern, als sein Leben lang zu fragen, was hätte sein können.

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