Die flexible Gewohnheit

Wir versuchen uns regelmäßig zu verändern, aber scheitern daran oft. Wir möchten mehr Sport treiben, aber nach drei Wochen, hocken wir wieder faul auf dem Sofa. Ein Grund hierfür ist neben der Willenskraft, die Starrheit und fehlende Flexibilität in unserem Alltag. 

Gewohnheiten machen den Unterschied, wie unser Leben verläuft. Haben wir die Gewohnheit jeden Tag Drogen zu nehmen, wird das auf lange Sicht nicht gut enden. Haben wir die Gewohnheit jeden Tag Sport zu treiben, zu lesen und nicht zu rauchen, wird dies (langfristig gesehen) unser Leben in eine andere Bahn katapultieren. Wir werden länger leben, vitaler und schlauer sein. 

Wir haben oft mit neuen Gewohnheiten angefangen und diese nie lange durchgehalten. Das beste Beispiel ist das Fitnessstudio. Zum Jahresanfang melden sich viele Leute an und die Studios sind voll. Jeden Monat erscheinen weniger Menschen, bis es sich wieder auf das alte Niveau einpendelt.

Der Grund wieso wir nicht durchhalten

Eine der häufigsten Ursachen für unser Scheitern, möchte ich an einem Beispiel zeigen:
Wir haben einen stressigen Arbeitstag und müssen Überstunden machen. Wenn wir fertig sind, fühlen wir uns erschöpft und ausgelaugt. Aber eigentlich wollten wir noch Sport machen. Wie wahrscheinlich ist es, dass wir jetzt noch ins Fitnessstudio fahren, über eine Stunde trainieren, duschen und zurück fahren? Wenn man extrem motiviert ist, dann ist das kein Problem. Aber nach einer gewissen Zeit, kommt jeder mal in eine Phase, wo die Demotivation überwiegt. Ein anderes Beispiel: Wir haben eine Beziehungskrise und sind mental down. Jetzt sich noch aufzuraffen irgendwohin zu gehen, erscheint schwer bis unmöglich. Es gibt immer wieder Tage, wo unsere Willenskraft am Ende ist und wir demotiviert und erschöpft sind. Vielleicht steht morgen zusätzlich ein wichtiger Termin an und anstatt sich weiter zu verausgaben, möchte man ausreichend Schlaf bekommen.

Das erscheint auch sinnvoll und logisch, allerdings durchbrechen wir dann unsere (neue) Gewohnheit. Und bei vielen Menschen (mich eingeschlossen) ist es so, dass wenn man einmal eine Ausnahme macht, bald die zweite, dritte und vierte Ausnahme folgt. 

Das neue Konzept

Hier setzt das neue Konzept der flexiblen Gewohnheit an. Das Geheimnis liegt darin, die neue Gewohnheit in verschiedene Schwierigkeitsstufen einzuteilen.

Ich erkläre es anhand von einem konkreten Beispiel. Wir bleiben beim Sport. Unser Ziel ist es jeden Tag Sport zu treiben.

Wir teilen unsere neue Gewohnheit in drei Schwierigkeitsstufen ein. Einfach, Mittel und Elite. Wir haben jetzt die Freiheit jeden Tag zu wählen, welche Schwierigkeitsstufe wir absolvieren.

Einfach wäre 10 Minuten zu laufen. Mittel wäre 45 Minuten zu laufen und Elite wäre ins Fitnessstudio zu gehen und zusätzlich 30 Minuten zu laufen. Wir passen unser Tun unserer aktuellen Motivation und Willenskraft an.

Mit dieser zusätzlichen Flexibilität kann man auch in harten Zeiten sein Ding durchziehen oder zumindest sein aktuelles Niveau halten.

Die Mini-Gewohnheit 

Das Geheimnis liegt in der Kraft von Mini-Gewohnheiten.

Mein Sportprogramm war lange Zeit, jeden Tag einen Liegestütz zu machen. Mehr nicht!
Der Vorteil daran, es gibt keine Ausrede auf der Welt, wieso man ihn nicht machen kann. Selbst wenn ein Krieg ausbricht oder das Haus abgefackelt ist. Diese fünf Sekunden werde ich immer haben. Jetzt kommt etwas interessantes über unsere Psyche: Wir sind müde und machen den einen Liegestütz für unser Gewissen. Wenn wir unten sind und den ersten gemacht haben, ist es nicht mehr schlimm einen zweiten zu machen. Es braucht nahezu keine Überwindung mehr. Bei mir war es so, dass ich fast nie einen Liegestütz gemacht habe. Ich habe mehr gemacht, weil der Gedanke kam, wenn ich jetzt eh schon unten bin, dann ziehe ich es auch durch. Oft kam der Ehrgeiz hoch: Heute möchte ich meinen Rekord brechen. Diesen psychischen Vorteil nutzen wir für die flexible Gewohnheit.

Konkretes Beispiel

Ich habe hier mal eine kleine Tabelle erstellt, wie so etwas aussehen kann. Man nimmt sich vor Sport zu treiben, meditieren und ein Buch zu schreiben. 


Sport Buch schreiben Meditieren
Einfach 5 Minuten Seilspringen 1 Satz schreiben 1 Minute Meditieren
Mittel  40 Minuten Laufen 1 Seite schreiben 10 Minuten Meditieren
Elite Fitnessstudio + Cardio 5 Seiten schreiben 20 Minuten Meditieren



Fazit

Ich bin ein großer Fan von flexiblen Gewohnheiten. Gerade beim Schreiben habe ich gemerkt, wie sehr es mir hilft, wenn ich mir vornehme mindestens einen Satz zu schreiben. Das dauert vielleicht dreißig Sekunden, aber oft schreibe ich dann deutlich mehr. Dieser Blogartikel entstand auch, weil auf meiner To-Do-Liste stand: 1 Satz schreiben.

Ich hoffe der heutige Content bringt euch weiter. Mir hat es in meinem Leben jedenfalls sehr geholfen. Wenn ihr selber damit Erfahrungen gemacht habt, dann lasst gerne ein Kommentar da. Ansonsten lesen wir uns wieder nächsten Montag :).

9 Kommentare

  1. Ich finde super, dass ich nun einen Namen dafür habe!

    Ich praktiziere das schon teilweise, aber insbesondere die eine Liegestütze ist eine Top-Sache. Ich bin derzeit am Überlegen, ob ich eine Liegestütze, eine Kniebeuge und einen Crunch täglich aufnehme. Vermutlich wird’s die Erfolge im Fitnessstudio boosten.

    Ich werde wohl nun auch die „Namen“ benutzen, die Du dem ganzen gegeben hast: Einmal Fitnessstudio die Woche ist „leicht“, mit dem Rad oder per Laufen hin und zurück ist „mittel“ und zweimal die Woche Fitnessstudio ist „Elite“.

    Ohne es so zu nennen, macht mein Mann das mit der Radfahrt zur Arbeit so – leicht ist, mit dem Ebike zur Arbeit zu fahren, schwer ist, es mit dem normalen Fahrrad zu tun. 🙂

    Danke für die Begriffe!

  2. Tolle Interpretation und auch Inspiration.
    Ins Fitnessstudio gehen wir schon seit vielen Jahren und ansonsten machte ich bisher zumindest nicht zu vieles falsch, wie es sich hier liest. 😀
    Liebe Grüße von Hanne

  3. Pingback: Der Vorsatz

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