1 Monat kalt duschen

Den letzten Monat habe ich ein Selbstexperiment gewagt. Durch die Corona-Krise und die Ausgangsbeschränkungen, war ich gezwungen zuhause zu bleiben.

Ich habe viel Zeit damit verbracht zu überlegen, was ich an meinen Alltag ändern will. Speziell habe ich darüber nachgedacht, welche Kleinigkeit den größt möglichen Effekt bei mir erzielen würde. Wie ich in dem Artikel Dominostein-Gewohnheit schon geschrieben habe, kann eine neue Gewohnheit zu einer Kettenreaktion führen und viele weitere Veränderungen nach sich ziehen. So kann es sein, wenn man mit Sport anfängt, dass man allgemein mehr auf seine Gesundheit achtet. 

Ich habe mich dazu entschieden einen Monat lang kalt zu duschen. Kalt Duschen ist gut für das Immunsystem, fördert die Durchblutung und hilft gegen Depressionen (hier ein entsprechender Artikel). Ich habe von vielen Seiten gehört, dass man den Tag über mehr Energie und Motivation hat. Außerdem soll man produktiver sein und es lehrt einem Selbstdisziplin. Da ich durch die Ausgangsbeschränkung ein zwei wöchiges Motivationstief hinter mir hatte, war ich besonders gespannt auf das Ergebnis .

Kalt Duschen in der Praxis

Es war eigentlich immer das selbe. Ich ging in die Dusche, stellte die maximale Kälte ein und nachdem das Wasser kalt war, fing ich an zu duschen. Ich wollte mich nicht langsam herantasten, sondern es schnell hinter mich bringen. 

Was ich auf jeden Fall sagen kann, ich war mit dem Duschen um einiges schneller fertig als sonst. Ich würde behaupten, wenn ich warm dusche, brauche ich dreimal länger als unter einer kalten Dusche.

Die ersten 30 Sekunden waren die schlimmsten. Die erste halbe Minute war eine Qual, es war anstrengend und ich wollte sofort wieder aufhören. Nachdem die halbe Minute vorbei war, hatte sich mein Körper daran gewöhnt und es war um einiges einfacher durchzuhalten. Diese Erfahrung habe ich wirklich jedes mal gemacht. Die ersten 30 Sekunden waren ein „Kampf“ und danach war alles halb so schlimm.

Ich habe vor dem Experiment recherchiert und mehrere Erfahrungsberichte gelesen. Oft stand darin, dass es am Anfang große Überwindung kostet, aber nach 1-2 Wochen geht das vorbei. Es bereitet einem keine große Qual mehr und man braucht kaum noch Überwindung. Das kann ich definitiv nicht bestätigen. Um ehrlich zu sein, das war die Sache, die mich am meisten überrascht hat. In die kalte Dusche zu springen, war beim ersten, wie auch beim letzten Tag, eine gleich große Überwindung. Jedes mal hatte ich keine Lust. Auch waren die ersten 30 Sekunden jedes mal gleich anstrengend. Daran hat sich in dem Monat überhaupt nichts geändert.

Mentale Auswirkungen vom kalt Duschen

Kommen wir dazu, wie sich das Experiment auf mich ausgewirkt hat, abgesehen davon, dass ich viel weniger Wasser verbraucht habe. 

Es war zwar jeden Morgen eine große Überwindung für mich, aber direkt danach habe ich mich extrem gut gefühlt. Durch das kalte Wasser war ich wach und habe ich mich klar und fokussiert gefühlt. Zudem startet man den Tag damit, dass man zufriedener mit sich ist, da man sich jedes mal überwinden musste, die kalte Dusche anzutreten. Ich war immer ein kleinen wenig stolz auf mich, das durchzuziehen. Vor allem hat es das Gefühl, dass man den Tag direkt damit beginnt, den ersten Punkt auf der „imaginären“ To-Do-Liste abzuhaken. 

Später am Tag

Die Tage habe ich also immer sehr motiviert begonnen. Aber wie hat es sich auf den restlichen Tag ausgewirkt? Ich habe viel gelesen, dass die Produktivität in die Höhe schießt und man viel konzentrierter arbeitet. Das kann ich nicht bestätigen.

Die ersten zwei Tage war das sogar der Fall, aber nach 30 Tagen kann ich sagen, dass es an der anfängliche Motivation und Begeisterung für die Challenge lag. Nachdem die sich gelegt hatte, war alles wieder beim Alten und ich konnte keine Veränderungen feststellen. Das hier der Dominoeffekt eintritt, ist ausgeblieben.

Das einzige worauf es sich wirklich ausgewirkt hat, waren die ersten 20 Minuten nach der Dusche. Man startet danach motivierter in den Tag, fühlt sich wach und produktiv. Aber wie gesagt, dieses Gefühl ist zumindest bei mir sehr schnell wieder verflogen und es war alles wieder beim Alten.

Was ich aber bestätigen kann, dass es die optimale Methode ist, um seine Willenskraft und Disziplin zu trainieren.

Fazit

Kalt Duschen war für mich immer ein guter Start in den Tag. Man beginnt denn Tag äußerst positiv gestimmt. Allerdings ist es bei mir beim Start in den Tag geblieben. Man schiebt vielleicht die erste Aufgabe nicht mehr so lange hinaus, aber das war auch das Maximum. Über den Tag verteilt konnte ich im Hinblick auf Produktivität oder Konzentration keinerlei Veränderung an mir feststellen. Vor allem muss ich sagen, wenn man nach dem Duschen erst frühstückt, Kaffee trinkt und Zeitung ließt, kommen die Effekte überhaupt nicht mehr zum tragen. Das war aber nur auf die Produktivität und Konzentration bezogen.

Für die mentale Einstellung halte ich es dennoch für sehr gut. Man trainiert jeden Tag seine Willenskraft und Selbstdisziplin. Zudem startet man den Tag mit einem positiven Gefühl.

Hier sei aber noch gesagt, dass jeder Mensch unterschiedlich ist. Nur weil ich so darauf reagiert habe, muss das nicht für jeden gelten. Wie gesagt, das Internet ist voll von Berichten, wie die Konzentration und Produktivität daraufhin angestiegen ist. 

Das war es die Woche wieder von mir. Lasst mir gerne ein Kommentar da, wenn euch der Artikel gefallen hat, oder ihr eigene Erfahrungen dazu gemacht habt. Ansonsten lesen wir uns wieder nächsten Montag ;).

Euer Stophel

14 Kommentare

  1. Sehr tapfer.Würde mich aber deprimieren. Natürlich habe ich Hunderte von Malen in einem eher wilden Urlaub kalt geduscht. Aber eine Dusche heißt für mich, etwas abzuspülen: einen langen Tag, die Traumdämonen der Nacht usw. Eine kalte Dusche bekommt bei mir diesen „Reinigungseffekt“ nicht hin. Was ja nicht heißt, dass man sich nicht etwas anderes einfallen lassen kann. Prinzip verstanden 🙂

  2. Das ist eine interessante Idee! Ich kann mir vorstellen, dass man durch den angeregten Kreislauf und das Erfolgserlebenis jeden Morgen einen tollen Start in den Tag hat. Menschen, die allgemein wenig Erfolgserlebnisse haben, kann das vielleicht mehr bringen als jemandem wie dir, der auch auf andere Quellen zurückgreifen kann. Deshalb glaube ich, dass es Depressiven hilft. Ob sich ein seelisch kranker Mensch dazu überwinden kann, ist allerdings die Frage. Ein Versuch ists wert! 🙂

  3. Hmm, hab auch schon etliche Moppedurlaube mit miesen Campingplätzen hinter mir, da hieß es nicht nur kalt sondern auch in echt ekligen Duschen so schnell wie möglich duschen … nichts mehr für mich, nicht freiwillig, aber du hast mich angeregt wieder einzuführen nach dem heissduschen wieder kalt abzuduschen … das macht mich fit, hatte es aus Abneigung gegen kaltes Wasser aber lange Zeit auf Eis gelegt *G* Ab morgen …Danke dir

  4. Toll, dass du das durchgezogen hast. Wir brauchen alle solche Erfahrungen, nicht?
    Herausforderungen, Überwindungen. Sie helfen uns, wenn, wenn es ernst wird.

    Ich habe ähnlich wie du in dieser Zeit auch eine Entscheidung getroffen – ich gehe jeden Tag 15 Minuten joggen. Jeden Morgen vor dem Frühstück. 15 Minuten sind nichts. Aber sie machen einen grossen Unterschied! Neben der Selbstdisziplin stärkt es meinen Körper und beruhigt meine Seele. Ich kann das nach zwei Monaten ganz klar sagen. Und heute bin ich soweit, dass ich diese Runde machen möchte. Manchmal hänge ich nocb eine extra Schlaufe dran. Ich kann mich steigern! das ist auch ein tolles Gefühl! Und das mache ich jetzt, obwohl ich sowas von sportfaul bin…

    Und das Frühstück schmeckt herrlich nachher…..!

  5. Ja definitiv. Ich habe in der Quarantäne echt gemerkt, wie viel mir solche Challenges geben.
    Das mit dem Laufen ist echt super. Vor allem, wenn man es direkt am morgen macht, weiß man den ganzen Tag, man war schon produktiv 🙂

  6. Hi Stophel,
    bestimmt sagt dir WIM HOF was (the iceman), der schwört darauf das kalt duschen und eine spezielle Atemtechnik das Beste fürs Immunsystem sei und man dadurch fast alle Krankheiten bekämpfen kann.

    Mir selbst ist kalt duschen viel zu zach, aber ich bemühe mich nach dem warm duschen jedes Mal noch den Hahn auf kalt drehen, tief atmen und so lang wie möglich auszuhalten. (ist auch gut für die Haare und im Winter wärmt es einen auch wenn man das kaum für möglich hält :)).

  7. I bin aus Österreich, wir sagen „Zach“ – für „anstrengend“ „mühsam“ „schwierig“ – Ursprünglich für „Zäh“ 🙂

  8. Wim Hof taugt dir sicher (schon wieder so ein österreichisches Wort).
    Der macht auch so challenges wie in einer mit Eiswürfeln gefüllten Badewanne sitzen.
    Und die Atemtechnik find ich auch spannend (nahe dem Hyperventilieren, wo sehr viel Sauerstoff in die Venen gepumpt wird). –
    Wird sicher ein neuer Artikel von dir – bin schon gespannt 😉

  9. Taugen sage ich auch oft ;).
    Das klingt echt spannend, ich werde ihn mir auf jeden Fall anschauen… Badewannenchallenge wird aber bei mir mangels Badewanne wohl eher nicht stattfinden ;).

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