Richtig kritisieren

Vorgesetze richtig kritisieren

Jack Nasher gilt im deutschsprachigen Raum als der Verhandlungsexperte schlechthin. Er ist zudem mehrfacher Bestsellerautor. Eines seiner bekanntesten Werke ist „Deal! Du gibst mir, was ich will!“ (https://amzn.to/3hZs308)*, was ich sehr empfehlen kann. Er hat jahrelange Erfahrungen darin komplizierte Verhandlungen zu führen und wie man eine Eskalation verhindern oder eine explosive Situation deeskalieren kann.

Eine häufige Frage ist, wie kritisiert man am besten andere Leute ohne, dass sie es persönlich nehmen. Die Frage stellt sich speziell, wenn es nicht nur darum geht Freund, sondern speziell den Chef zu kritisieren. Gerade wenn der Chef ein etwas schwieriger Mensch ist und dazu neigt schnell Kritik persönlich zu nehmen oder ein sehr nachtragender Mensch ist.

Die Situation/ Das Problem

Jack Nasher erklärt die Drei-Schritte-Methode anhand von folgendem Beispiel:

Der Vorgesetzte ist ein Kontrollfreak und jede Kleinigkeit muss von ihm abgesegnet werden. Dem Angestellten wird kein eigener Gestaltungsspielraum überlassen. Die meisten Menschen machen den Fehler und beginnen das Gespräch mit ihren Emotionen. Sie sagen sofort zu Beginn Sachen wie: Ich fühl mich total schlecht…, Ich finde es ist eine Schweinerei…, Ich finde es ist total ungerecht…, Ich kann so nicht arbeiten...
Wenn man ein Gespräch so beginnt, wird der andere sofort auf Konfrontationskurs gehen und die Verhandlung ist schon geplatzt, bevor sie überhaupt angefangen hat.

Um dieses Problem konstruktiv anzusprechen empfiehlt er die Herangehensweise in drei Schritten.

Erster Schritt: Fakten darstellen

Im ersten Schritt soll man das Gespräch mit Fakten beginnen. Fakten sind nicht emotional aufgeladen, sie sind neutral. Sie geben die tatsächlichen Umstände wieder, ob man sie nun gut oder schlecht findet. Es versteckt sich kein Angriff oder Kritik dahinter, sondern beschreibt nur die Wirklichkeit. In unserem Beispiel mit dem Kontrollfreak als Chef würde das Gespräch in etwa so ablaufen: Bei jeder Unterschrift über 25 € muss ich extra zu Ihnen laufen. Teilweise sind sie nicht da. Ich muss dreimal anrufen, bevor ich sie erreiche oder muss ihre Sekretärin um einen Termin bitten. Es kostet mich teilweise bis zu 1 1/2 Stunden bis ich ihre Bestätigung endlich habe.

Hier wird die Gegenseite nicht in Kampfmodus gehen, da man nur die schlichten Fakten wiedergibt.

Zweiter Schritt: Die eigene Erklärung der Ereignisse

Im zweiten Schritt folgt dann die persönliche Einschätzung. Jetzt folgt der emotionale Part der Verhandlung, sprich: Wie man die Fakten persönlich interpretiert.

In unserem Beispiel würde es wie folgt weiter gehen: Ich habe das Gefühl, dass Sie mir nicht vertrauen… oder Ich habe den Eindruck, dass sie meinen Arbeitsstil nicht gut finden… oder Ich habe das Gefühl, dass Sie den Eindruck haben, dass Sie mich kontrollieren müssen, weil meine Arbeit nicht gut ist.

Jetzt ist der Zeitpunkt das zu sagen, was man wirklich über die Situation denkt.

Dritter Schritt: Die Frage

Im letzten und dritten Schritt folgt die Frage, ob das der Fall ist. Man bittet um seine Stellungnahme, um Klarstellung, ob man den Sachverhalt richtig interpretiert hat. Der dritte Schritt besteht aus nur einem einzigen Satz. Nachdem man mit dem zweiten Schritt fertig ist, sagt man nur noch: Ist das der Fall oder irre ich mich hier?

Der Vorteil dieser Methode

Die meisten Menschen fangen direkt mit Schritt zwei an. Sie beginnen das Gespräch mit Emotionen und starten somit eine Konfrontation.
Indem man mit Schritt eins anfängt, hat man aber schon mal ein Gespräch auf Augenhöhe zum Laufen gebracht. Erst danach gibt man den persönlichen Eindruck wieder, der Konfliktpotenzial in sich trägt. Diese Methode muss zwar nicht immer zu einer Lösung führen, aber dadurch ist erstmal ein richtiges Gespräch möglich und das ist der erste Schritt für eine Lösung.

Wenn euch dieser Inhalt gefallen hat, kann ich euch die Bücher von Jack Nasher empfehlen, die häufig solche zwischenmenschlichen Situationen aufgreifen bzw. die Kommunikation dahinter erklären.

Wenn ihr selber mit so etwas Erfahrung habt, oder eigene Tipps dazu habt, dann lasst sehr gerne eine Kommentar da.

Ansonsten lesen wir uns wieder nächsten Montag ;).

Euer Stophel

2 Kommentare

  1. Klingt zwar brauchbar, aber: Oft scheitert ein Gespräch ja schon auf der Ebene der Faktendarstellung. Die faktische und persönliche Ebene lassen sich fast nie trennen, denn in jeder Faktendarstellung steckt bereits die persönliche Sicht. Und mit der letzten Frage liefert sich der Fragesteller dem Vorgesetzten aus, indem er ihn zum Richter darüber macht, ob die eigene Sichtweise stimmt (ich habe den Eindruck, dass sie mir keine selbständige Leistung zutrauen o.ä.).
    Grundsätzlich ist es aber immer gut, Faktisches und Emotionales getrennt zu halten.

  2. Also ich würde das auch etwas anders machen: „Bei jeder Unterschrift über 25 € muss ich extra zu Ihnen laufen.“
    So eine Andeutung ist ein indirekter Vorwurf.

    Ich würde meinem Chef einen Vorschlag machen: ich bin in ihrem Unternehmen, weil ich ihr Vertrauen genieße und weil ich glaube, dass sie meine Arbeit schätzen. Wenn wir das mit der Unterschrift etwas schneller hinbekämen, dann würde ich die Zeit, einer Unterschrift hinterher zulaufen, für meine eigentliche Arbeit investieren. Ich würde mir mal Gedanken machen, wie wir diesen Arbeitsprozess beschleunigen könnten – in Ordnung?

    So würde ich das angehen…liebe Grüße Tete

    In dieser Aussage stecken viele kleine positive Botschaften und Selbtbewusstsein.

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