Die Reid-Methode/ Wahrheit durch Verständnis

Jeder Mensch lügt. In der Regel bleibt es nicht bei einer Lüge, sondern auf die erste Lüge folgt die zweite usw. Sie lügen meistens gar nicht weiter, weil sie wollen, sondern weil sie nicht mehr zurück können ohne ihr Gesicht zu verlieren. Ab einen gewissen Grad wird es einfach nur noch peinlich, dass man solange gelogen hat. Je mehr man lügt, desto mehr ist man in seinem Lügengeflecht gefangen. Das liegt daran, dass Lügner Angst und Furcht empfinden. Je stärker diese Emotionen sind, desto vehementer werden sie auf ihre Lügen beharren.

Kernstück der Reid-Methode ist es eine goldene Brücke zu bauen.
Anstatt jemanden für sein Verhalten zu verurteilen, zeigt man Verständnis für seine Lage. So hat er die Möglichkeit in Würde über diese goldene Brücke zu gehen. Er kann zugeben gelogen zu haben und dennoch sein Gesicht wahren. Mit einer goldenen Brücke baut man Verständnis auf und die Angst und Furcht vor dem Gegenüber ab. 

Ein Beispiel für die Reit-Methode

Nehmen wir an, wir befinden uns in einem Bewerbungsgespräch und wir haben den starken Verdacht, dass der Bewerber seinen Lebenslauf massiv „aufgehübscht“ hat. Wenn man ihn direkt damit konfrontiert und verurteilt, wird er zu einer hohen Wahrscheinlichkeit die Lüge abstreiten.
Man könnte stattdessen eine golden Brücke bauen, indem man Verständnis zeigt und sagt, dass es heutzutage ganz normal ist beim Lebenslauf zu übertreiben.

Ein Beispiel könnte in einem Bewerbungsgespräch sein. Man hat den Eindruck, dass der Bewerber seinen Lebenslauf aufgehübscht hat. Anstatt ihn zu konfrontieren und deswegen zu verurteilen kann man sagen, dass es heutzutage ganz normal ist zu übertreiben und sich im Lebenslauf besser darzustellen. Zudem ist es während Corona sowieso schwer einen Job zu finden. 

Die erste Variante wird dazu führen, dass er sich weiter auf die Lüge versteift. Es wird das Gefühl erzeugt, wenn er die Lüge zugibt, ist er eh unten durch und hat verloren. Beim zweiten Szenario fühlt er sich verstanden und die Angst und Furcht ist um einiges geringer. Er wird eher dazu neigen die Wahrheit zu sagen. Er hat die Möglichkeit in Würde zu gestehen. Selbst wenn er den Job nicht kriegt, konnte er trotz der Lüge sein Gesicht wahren. 

Churchill klaut Besteck

Der Verhandlungsexperte Jack Nasher erklärt die Reid-Methode anhand von einer alten Legende:

Churchill war bei der Queen zum Essen eingeladen. Die Queen spricht ihn an und sagt, dass ein Minister eine Gabel von ihrem Geschirr eingesteckt hat. Das Besteck ist ein altes Familienerbstück und bedeutet ihr sehr viel. Sie will die Gabel unbedingt zurück haben, aber den Minister nicht bloß stellen, da sie sich noch öfters sehen werden. Churchill antwortete, dass sie ihn auf keinen Fall ansprechen soll, er wird es nämlich leugnen, da es sehr peinlich für ihn ist. 

Churchill hat es dann gelöst, indem er sich in seine Taschen Gabel und Messer gesteckt hat und zu dem Minister hin ging. Als sie unbeobachtet waren, hat er es auf den Tisch gelegt und gesagt: „Oh je, ich glaub man hat uns beobachtet“.

Indem er sich selber zum Täter machte, zeigte er automatisch Verständnis und der Minister konnte die Gabel zurückgeben ohne sein Gesicht zu verlieren. 

Falls Dich so etwas interessiert, kann ich dir das Buch von Jack Nasher Entlarvt! (https://amzn.to/3bsIuiH)* empfehlen. Da geht es um genau solche Sachen.

Das war es diese Woche wieder von mir. Lasst mir gerne ein Kommentar da, ansonsten lesen wir uns wieder nächste Woche ;).

Euer Stophel

2 Kommentare

  1. Eine andere Churchill-Geschichte: Der Minister und seine Frau gingen durch London und kamen mit einem Straßenfeger ins Gespräch. Im Weggehen sagte Frau Churchill zu ihrem Mann, dass der Straßenfeger früher mal in sie verliebt war. Churchill meinte „gut, dass Du mich geheiratet hast. Du wärst sonst die Frau eines Straßenfegers.“ Darauf sie: „Wenn ich ihn geheiratet hätte, wäre er jetzt Minister!“

  2. Ob die Methode auch in der heutigen Covid-geprägten Zeit bei Regierungsmitgliedern verfängt? Vielleicht könnte man ihnen helfen, aus dem Gestrüpp der Lügen, Halbwahrheiten, Übertreibungen etc herauszufinden und endlich zuzugeben, dass sie nach wie vor nicht wissen, warum sie was beschließen, und dass der eingeschlagene Weg nicht ins Freie führt, sondern in immer schlimmeres Dickicht.

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